Geschichte im Überblick

Die Gemeinde Scharbeutz ist zwar eine der jüngsten Gemeinden im ostholsteinischen Raum, dafür ist sie in ihren Teilen aber recht alt. Sie bietet neben vielem Sehenswerten auch eine stattliche Fläche Kirche Gleschendorf von rd. 5.200 ha und seit 1998 eine Einwohnerzahl von rd. 11.000, nicht eingerechnet die Bürger mit einem Zweitwohnsitz. Am 1. Januar 1974 gegründet, entstand diese Großgemeinde aus wirtschaftlichen Zwängen. Die kleineren Verwaltungseinheiten von Gleschendorf und Haffkrug-Scharbeutz wurden vom Kreis zusammengelegt. So besteht die Gemeinde heute aus 10 Dorfschaften, den beiden Hauptorten Scharbeutz und Pönitz, dem Kirchdorf Gleschendorf mit seiner langen Tradition und den Orten Haffkrug, Gronenberg, Klingberg, Sarkwitz, Schürsdorf, Schulendorf und Wulfsdorf.

Aus geschichtlichen Funden wissen wir, dass einzelne Dörfer mit slawischen Vorläufersiedlungen bis zu 1.000 Jahre alt und älter sind. Scharbeutz z. B. geht auf das slawische Dorf "Scorbuze" oder "Schoreboce" zurück, was soviel heißt: Der Ort oder Hof oder das Dorf des "Skorobyc". Entschlüsselt man den slawischen Namen "Skorobyc" weiter in seine Teile, die aus "skorz", d. h. schnell, flink und "bytz", d. h. sein Bestehen, dann besagt dieser Name, dass dieser Slawe, nach dem Scharbeutz heute benannt wird, ein schneller und flinker Mann war.

Ähnlich interessant sind auch die slawischen Namen für Pönitz, nämlich "Penze", was soviel wie schäumendes Wasser heißt oder Gleschendorf und Sarkwitz, die sich von den slawischen Namen "Golesko und Cerkevitze" ableiten. Zusammengenommen finden sich in Klingberg, Schürsdorf oder Gronenberg ebenfalls Hinweise auf eine über 1.000 Jahre alte Siedlungsgeschichte.
Im Mittelalter nach der Landnahme durch Friesen, Sachsen, Westphalen und Holsten ab 1150 unter Graf Adolf II von Schaumburg entstehen die uns bekannten deutschen Dörfer. Sie finden durchweg im 13. Jahrhundert durch Verkaufsurkunden ihrer Besitzer, u. a. der Adelsfamilie von Buchwald, urkundliche Erwähnung. Scharbeutz wird so erstmalig 1271, Gleschendorf 1259 und Pönitz 1221 erwähnt. Die mittelalterlichen 10 Dörfer scharen sich zunächst um ihr geistliches Zentrum, das Kirchdorf Gleschendorf. Später gehen viele Impulse von der Stadt Lübeck, insbesondere dem Heiligengeist-Spital, aus, in dessen Lehen einzelne Dörfer standen.

Im 15. Jahrhundert dominiert das Karthäuser Kloster Ahrensbök diesen Raum und gibt viele Wachstumsimpulse an die Dörfer. Im 17. Jahrhundert macht sich der dänische Einfluss durch Bildungen von Staatsgütern, wie dem Gronenberger Hof, bemerkbar und erst im 19. Jahrhundert kommt es im Küstenbereich zu einer Eigenentwicklung der vier oldenburgschen Seebäder, zu denen auch Haffkrug und Scharbeutz gehören.

Wirtschaft_Tourismus_7Die über Jahrhunderte nur land- und forstwirtschaftlich ausgerichtete Tradition dieser beiden Dörfer erhält aus der beginnenden Tourismuswirtschaft völlig neue Impulse.
Wie klein die Ortschaften im Jahre 1850 allerdings noch gewesen sind, kann man aus den Einwohnerzahlen ablesen. In Scharbeutz lebten weniger als 200 Menschen, in Haffkrug um 200 und in Gleschendorf etwa 300 Einwohner. Durch die günstige Lage der Orte Scharbeutz und Haffkrug mit schönen Stränden und waldbestandenen Uferstreifen entwickelt sich in Haffkrug ab 1812 und in Scharbeutz ab 1837 das Badeleben. Der Bau des Elisabethbades in Haffkrug wurde allerdings erst 1840 und des Augustusbades in Scharbeutz 1850 fertiggestellt.
Beide Bäder nehmen seit Beginn dieses Jahrhunderts einen stetigen Aufschwung und machen sich durch ihre wirtschaftliche Eigendynamik von Gleschendorf, als dem Sitz der damaligen Verwaltung, unabhängiger.

Man darf ruhig hervorheben, dass sowohl das Elisabethbad in Haffkrug als auch das Augustusbad in Scharbeutz sehr wohl den gehobenen Standard des damaligen Strandbadelebens boten. Dies sieht man unter anderem an den illustren Gästen, die bereits 1852 z. B. in Scharbeutz kurten. Der Großherzog von Oldenburg besuchte mit seinem Hofstaat von 30 Personen und der Königin von Griechenland unseren Badeort. Auch später weilt er mit seinem gesamten Hofstaat in Scharbeutz.


Ein weiterer berühmter Gast ist ebenfalls zu nennen: Albert Einstein besuchte Scharbeutz dreimal, in den Jahren 1927, 1928 und 1929 für einige Wochen im Sommer.War es bisher stetig mit der Entwicklung der Badeorte aufwärtsgegangen, so brachten die Kriegs- und Nachkriegsjahre einen schmerzlichen Einschnitt. Durch den fehlenden Tourismus,
d. h. geringe Einnahmen, und durch die Besetzung Haffkrugs durch die Polen und Scharbeutz durch die Engländer, setzte die Entwicklung zum modernen Seebadeort erst seit Anfang der 50er Jahre ein.
Nach stetigem Aufschwung erhielten Scharbeutz und Haffkrug 1970 den Status des Seeheilbades. Im gleichen Jahr entstand auch das erste Meerwasserwellenbad der Lübecker Bucht in Scharbeutz.
Sieht man sich heute die Großgemeinde Scharbeutz an mit ihrer interessanten Seenplatte, der ausgebauten Infrastruktur in der Strandregion, und nimmt man insgesamt das vielgestaltige Tourismusangebot, so kann man feststellen, dass aus dem ursprü Wirtschaft_Tourismus_3nglich einmal kleinen, am Wennsee gelegenen slawischen "Nest" eine Großgemeinde geworden ist, die mit rd. 1 Mio. Übernachtungen gleich nach Grömitz und Timmendorfer Strand rangiert. Auch die ländlichen Regionen der Großgemeinde haben entscheidende Wachstumsimpulse erhalten und sich gut weiterentwickelt, wie man am Zentralort Pönitz oder dem Gewerbegebiet Gleschendorf ersehen kann.

Trotz mancher Unkenrufe bei der Gründung der Großgemeinde im Jahre 1974 - man sprach damals von einem Zwitter oder aufgepropften Baum -, hat sich diese Gemeinde rasch weiterentwickelt. Trotz sorgfältig gehüteter dörflicher Eigenheiten wachsen die Gemeinsamkeiten des Ganzen. Symbolisch für die Einheit der 10 Dorfschaften steht das strahlenförmige Gemeindewappen mit dem Bärenkopf im Zentrum. Jeder Strahl entspricht einer Dorfschaft und der Bär im Zentrum weist auf das Wappen der Familie von Buchwald hin, die im Mittelalter hier Grundherren waren. Die Gemeindevertreter Anfang der 70er Jahre waren sicherlich sehr weitsichtig in der Wahl dieses Symbols, das die Einheit bei gewachsener Vielheit mit gleichzeitigem Bezug auf die lange Geschichte aufzeigt.

Autor: Dr. Jungk