Orange Day
Liebe Bürgerinnen und Bürger,
liebe Gäste,
heute ist Orange Day – einem Tag, der weltweit dazu aufruft, Gewalt gegen Frauen und Mädchen sichtbar zu machen.
Und sichtbar zu machen, dass wir hinsehen.
Dass wir einstehen.
Dass wir nicht schweigen.
Am 25. November setzen Menschen auf der ganzen Welt ein Zeichen:
Wir beleuchten Gebäude in Orange.
Wir zeigen Flagge.
Wir tragen Farbe.
Wir sagen gemeinsam:
„Gewalt hat keinen Platz – nicht in unserer Gemeinde, nicht in unseren Familien, nicht in unserem Land.“
Doch hinter diesen sichtbaren Zeichen stehen oft Geschichten, die im Alltag unsichtbar bleiben.
Geschichten von Verletzung, Angst, Ungerechtigkeit.
Aber auch Geschichten von Mut, von Kraft, von unbeirrbarer Würde.
Ich möchte heute etwas sagen, das mir persönlich wichtig ist:
Niemand steht mit seiner Erfahrung allein.
Nicht die Frauen, die körperliche oder seelische Gewalt erlebt haben.
Nicht die Mädchen, die sich nicht trauen, ihre Stimme zu erheben.
Nicht die Menschen, die um Gerechtigkeit kämpfen müssen – manchmal still, manchmal öffentlich, manchmal mitten in einem Verfahren.
Es gibt Lebensphasen, in denen man selbst spürt, wie es ist, wenn man für seine Wahrheit einstehen muss.
Wie es ist, wenn man sich wehrt.
Wie es ist, wenn man stark bleiben muss, obwohl man Erschöpfung spürt.
Und wie wichtig es dann ist, Menschen um sich zu haben, die einem glauben, die an der Seite stehen und die sagen:
„Du musst das nicht allein tragen.“
Gerade deshalb möchte ich heute eines unterstreichen:
👉 Gewalt beginnt nicht erst dort, wo körperliche Spuren sichtbar sind.
👉 Gewalt beginnt dort, wo Respekt endet.
👉 Gewalt beginnt dort, wo Menschen mundtot gemacht werden sollen.
👉 Gewalt beginnt dort, wo Wahrheit vernebelt wird, Macht missbraucht oder Vertrauen zerstört wird.
Und genau deshalb braucht es Tage wie diesen.
Tage, an denen wir sagen:
Wir stehen auf.
Wir stehen zusammen.
Wir lassen niemanden allein – ganz gleich, wie laut oder leise ihre Geschichte ist.
In der Gemeinde Scharbeutz setzen wir uns auf vielfältige Weise dafür ein:
- durch die Zusammenarbeit mit Beratungsstellen und Polizei
- durch Präventionsarbeit in Schulen
- durch Schutzangebote für Betroffene
- und durch ein gesellschaftliches Klima, in dem man sich trauen darf, Hilfe zu holen
Aber all dies beginnt nicht erst in den Behörden.
Es beginnt hier, bei uns allen.
In unseren Nachbarschaften.
In unseren Familien.
In unseren Vereinen.
In unseren Herzen.
Ich wünsche mir, dass Scharbeutz ein Ort bleibt – und immer mehr wird –
an dem Menschen sich sicher fühlen.
Ein Ort, an dem Frauen wissen:
„Wenn ich Hilfe brauche, dann werde ich gesehen.“
Zum Schluss möchte ich uns allen Mut machen:
Mut, für andere einzustehen.
Mut, für uns selbst einzustehen.
Mut, Grenzen zu setzen.
Mut, Hilfe anzunehmen.
Mut, niemals zu schweigen.
Denn Schweigen schützt nicht die, die verletzt wurden.
Schweigen schützt nur die, die verletzen.
Lassen wir uns also heute – und jeden 25. im Monat – von der Farbe Orange daran erinnern,
dass wir gemeinsam stärker sind als jede Form von Gewalt.
Danke, dass Sie heute hier sind.
Danke, dass Sie hinsehen.
Danke, dass Sie mit mir gemeinsam stehen.
Mit freundlichen Grüßen
Bettina Schäfer